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GLOSSAR

[Orte]

AMSTERDAM: Stiftung Gaudeamus

Zentrum für zeitgenössische Musik in Amsterdam, gegründet 1945. Die Stiftung realisiert und unterstützt Konzerte und Weiterbildungsveranstaltungen in den Niederlanden und im Ausland. Im Zentrum steht die Förderung von jungen Komponisten und Interpreten neuer Musik. Zu den wichtigsten Aktivitäten der Stiftung gehören die jährlich veranstaltete «International Gaudeamus Music Week» (Konzerte und Kompositionswettbewerb) sowie die biennal stattfindende «International Gaudeamus Interpreters Competition» (Interpretenwettbewerb).

 

BARSBÜTTEL: Arbeitskreis für neue Komposition

1949 vom Komponisten und Musikwissenschaftler Jens Rohwer gegründet.

 

BLACK MOUNTAIN College

Interdisziplinäre Kunsthochschule nahe Asheville/North Carolina, 1933 bis 1956. Nur vom Lehrkörper verwaltet, unterlag das Institut keinerlei staatlicher Kontrolle. Kooperatives, gleichberechtigtes Lernen und Leben waren die Ideale des Colleges. Im Vordergrund dieses Konzepts stand die Erfahrbarkeit von Wissen und nicht das Wissen selbst. John Deweys Ästhetik der «Kunst als Erfahrung» bildete die Grundlage. Das College übte eine starke Anziehungskraft auf Künstler verschiedenster Disziplinen aus und entwickelte sich rasch zu einem Zentrum der Avantgarde. Prominentester Lehrer im Bereich der Bildenden Kunst war der Bauhaus-Dozent Josef Albers. Weitere Dozenten: Willem de Kooning, John Cage, Robert Creeley, Merce Cunningham, Richard Buckminster Fuller, Walter Gropius, Cy Twombly und Stefan Wolpe.

 

BOSWIL: Künstlerhaus

1953 von Willy Hans Rösch und Albert Rajsek als Stiftung mit dem Ziel gegründet, die alte Kirche und das Pfarrhaus Boswil vor dem Abbruch zu retten und hier ein Altersheim für Künstler zu schaffen. Renommierte Musiker wie Pablo Casals, Clara Haskil, Wilhelm Backhaus oder Yehudi Menuhin trugen in der Folge mit Benefizveranstaltungen zur Tragfähigkeit der Stiftung bei. Ab 1960 zogen die ersten Pensionäre ins renovierte Pfarrhaus. Zur selben Zeit begann der neu gegründete Verein Künstlerhaus Boswil mit der Organisation von Veranstaltungen; später kamen Kurse, Symposien und Tagungen hinzu, darunter das 1969 von Klaus Huber initiierte Internationale Komponistenseminar. 1991 Neuorientierung: aus dem Künstlerheim wurde das Künstlerhaus. Seit 2005 widmet sich das Künstlerhaus primär der Musikvermittlung: Boswiler Meisterkonzerte, Festival «Boswiler Sommer», Boswiler Akademie mit Meisterkursen, Symposien, Workshops und Forumsveranstaltungen.

 

BREMEN: Pro Musica Nova

Pro musica nova war der Name eines Festivals für Neue Musik der ARD-Sendeanstalt Radio Bremen, das 1958 von Hans Otte, dem damaligen Hauptabteilungsleiter Musik, gegründet worden war. Seit 1960 wurde pro musica nova im jährlichen Wechsel mit seinem Pendant für Alte Musik pro musica antiqua durchgeführt. Ziel dieser Festivals war es, dem Publikum Musik abseits des klassischen Konzertbetriebs nahe zu bringen. Die Liste der Uraufführungen, die Otte initiierte, ist enorm: Als Vertreter der europäischen Avantgarde waren u. a. Ligeti, Kagel, Stockhausen, Nono und Schnebel vertreten, daneben lud Otte zahlreiche Komponisten aus den USA ein, darunter John Cage, Steve Reich, La Monte Young, Terry Riley und Meredith Monk, die in Bremen zum Teil ihre ersten europäischen Auftritte hatten. Nicht zuletzt fanden die Fluxus-Künstler Nam June Paik, Allan Kaprow, Dick Higgins und Wolf Vostell bei pro musica nova ein Forum. Im Jahr 2001 stellte die Intendanz von Radio Bremen beide Biennalen aus finanziellen Gründen ein.

 

DARMSTADT: Internationale Ferienkurse für Neue Musik

Mehrwöchige Veranstaltung, in deren Rahmen sich junge Komponisten und Instrumentalisten in Workshops, Seminaren und Konzerten mit aktuellen kompositorischen und interpretatorischen Fragen auseinandersetzen. Gegründet 1946, Initiator und erster Leiter der Kurse: Wolfgang Steinecke, damals Kulturreferent der Stadt Darmstadt. Erster Veranstaltungsort (bis 1949) war das Jagdschloss Kranichstein bei Darmstadt. Veranstalter seit 1963: Internationales Musikinstitut Darmstadt (IMD). Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Ferienkurse das erste internationale Forum für zeitgenössische Musik in Deutschland. Besuch renommierter Komponisten, darunter Edgard Varèse, Olivier Messiaen, Ernst Krenek, John Cage, und Theoretiker, u. a. Theodor W. Adorno, Heinz-Klaus Metzger, Carl Dahlhaus. Ihre nachhaltigste Prägung erfuhren die Kurse aber durch die Hauptvertreter des Seralismus, Karlheinz Stockhausen, Pierre Boulez und Luigi Nono. Obwohl deren Einfluss auf die Positionierung der Ferienkurse bereits Ende der 1950er Jahre nachließ, wurden die Kurse lange Zeit mit der seriellen Ästhetik assoziiert, was u. a. zur Bildung des problematischen Begriffs «Darmstädter Schule» führte. Seit 1970 zweijährlicher Rhythmus.

 

DARMSTADT: Frühjahrstagung des instituts für neue musik und musikerziehung

Das Institut für Neue Musik und Musikerziehung Darmstadt (INMM) ist eine weltweit einmalige Einrichtung zur Förderung der Vermittlung zeitgenössischer Musik. In seiner jährlich stattfindenden Frühjahrstagung verbinden sich Angebote zur Theorie und Praxis zeitgenössischer Musik mit musikpädagogischen Fragestellungen. Gegründet 1948 in Bayreuth; Zielsetzung: die während des «Dritten Reichs» verfemte Musik einem breiteren Publikum und insbesondere auch den Musikerziehern bekannt zu machen. Das INMM fördert den Diskurs zwischen allen Disziplinen, die sich mit der Produktion, Darbietung, Verbreitung, Reflexion und Vermittlung neuer Musik befassen.

 

FREIBURG: Experimentalstudio für akustische Kunst

1971 am Südwestfunk Baden-Baden gegründet. Hervorgegangen aus dem von dem Komponisten Hans-Peter Haller und dem Toningenieur Peter Lawo konzipierten elektronischen Klanglabor, das im Zusammenhang mit einem Kompositionsauftrag an Karlheinz Stockhausen (Mantra für zwei Pianisten) 1970 entstanden war. 1972 wird bei den Donaueschinger Musiktagen das erste Werk mit elektronischer Raumklangsteuerung, Cristóbal Halffters Komposition «Planto por las Victimas de la Violencia», uraufgeführt. 1980-1989 erarbeitet Luigi Nono hier sein gesamtes Spätwerk. 1992 Umzug nach Freiburg i. Br. Studioleiter: Hans-Peter Haller, seit 1989 André Richard, seit Oktober 2006 Detlef Heusinger. Das Studio vergibt jährlich mehrere Arbeitsstipendien an Komponisten.

 

GERA: Ferienkurse für zeitgenössische Musik

Was 1974 als «Lehrgang» für zeitgenössische Musik begann, entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit unter dem Dach des Komponistenverbandes der DDR, Bezirksverband Gera, zu einem wichtigen alljährlich in den Sommerferien stattfindenden Workshop für Neue Musik für Komponisten, Interpreten und Musikwissenschaftler der DDR. Im Gegensatz zu den Darmstädter Ferienkursen, die auf Internationalität setzen, grenzte der bis 1991 stattfindende Geraer Workshop (von einzelnen Ausnahmen abgesehen) internationale Gäste aus. Den Schwerpunkt bildeten Selbstaussagen und -analysen der anwesenden Komponisten; besonders häufig anwesend waren u. a. Paul-Heinz Dittrich, Ruth Zechlin, Georg Katzer und Friedrich Goldmann.

 

GRAVESANO: Experimentalstudio

1954 von Hermann Scherchen in seinem damaligen Wohnort Gravesano im Tessin mit Unterstützung der UNESCO als Studio für Forschungen auf dem Gebiet der Elektroakustik gegründet. Im Zentrum der Arbeit standen Innovationen in Rundfunk- und Aufnahmetechnik. Nach Scherchens Tod 1966 wurde das Studio aufgelöst.

 

KARLSRUHE: ZKM 

Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe gilt als größte Einrichtung für Medienkunst weltweit. 1989 als Stiftung des öffentlichen Rechts gegründet, 1997 eröffnet. Das ZKM umfasst Museen, Studios und Labore: das Medienmuseum mit Dauerausstellung und Wechselausstellungen von Medienkunst, das Museum für Neue Kunst, das Institut für Bildmedien, das Institut für Musik und Akustik, das Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft, das Filminstitut und die Mediathek. Gründungsdirektor: Heinrich Klotz. Seit 1999 unter Leitung des Künstlers und Medientheoretikers Peter Weibel, setzt sich das ZKM in Theorie und Praxis mit den neuen Medien auseinander, erprobt mit Eigenentwicklungen ihr Potenzial, stellt mögliche Nutzungen vor und setzt sich kritisch mit der Informationsgesellschaft auseinander.

 

KÖLN: Beginner Studio

1977 vom Komponisten Walter Zimmermann gegründet; bis 1984 einer der wichtigsten Veranstaltungsorte für experimentelle Musik in Köln. Die Idee: sich von festgefahrenen Aufführungs- und Rezeptionsmustern zu lösen und musikalische Phänomene «mit den Augen eines Anfängers» zu sehen. Zimmermanns Konzept des «Multiversellen» bot auch Musikern anderer Bereiche (Jazz, Weltmusik) ein Forum.

 

KÖLN: Studio für elektronische Musik

Elektroakustisches Studio des Westdeutschen Rundfunks, das als das weltweit erste seiner Art galt. 1951 auf Initiative des Kommunikationsforschers Werner Meyer-Eppler, des Komponisten und Musikwissenschaftlers Herbert Eimert und des Tonmeisters Robert Beyer eingerichtet. Im Frühjahr 1953 Einrichtung des Studios. Am 26. Mai 1953 wurden die ersten Studien Eimerts und Beyers im Sendesaal des WDR der Öffentlichkeit präsentiert. Wenig später beginnt Karlheinz Stockhausen seine langjährige Arbeit im Kölner Studio und realisierte maßgebliche Werke der elektronischen Musik, wie die «Studien I und II» (1953/54) und den «Gesang der Jünglinge» (1955/56), daneben arbeiteten Komponisten wie Karel Goeyvaerts, Henri Pousseur und Gottfried Michael Koenig oder György Ligeti im Studio. 1963 übernahm Stockhausen die Leitung und setzte eine technische Neuaustattung durch. In der Folgezeit waren u. a. Peter Eötvös, Mauricio Kagel und Mesias Maiguashca im Studio tätig. 1980 legte Stockhausen die Leitung nieder; 1986 Umzug in den Studiokomplex Annostraße; von 1990 bis 1999 leitete York Höller das Studio, 2001 wurde der Betrieb bis auf Weiteres eingestellt.

 

KÖLN: Feedback-Studio

1970 von den Komponisten Johannes Fritsch, Rolf Gehlhaar und David Johnson in Köln gegründet. 1971 Gründung des Feedback Studio Verlags, der heute ca. 300 Kompositionen von 20 Komponisten vertritt. Seit 1975 werden Studio und Verlag von Johannes Fritsch allein geführt. 1971 Initiierung der «Hinterhausmusiken», einer Veranstaltungsreihe, die bis heute eine große Bandbreite musikalischer Erscheinungsformen präsentiert: Neue Musik, Musik aus Japan und Südostasien. Der außereuropäischen Musik widmete sich das Feedback Studio zudem im Rahmen von vier Kongressen (1979, 1982, 1984 und 1986). Seit 1971 «Feedback Papers» – eine Schriftenreihe, die in Nachrichten, Informationen, Projektbeschreibungen, Analysen und Aufsätzen die Aktivitäten des Feedback Studios dokumentiert.

 

KÜRTEN: Stockhausen-Kurse

1998 anlässlich des 70. Geburtstags von Karlheinz Stockhausen ins Leben gerufen. Veranstalter: Gemeinde Kürten und die Stockhausen-Stiftung für Musik. Seit 1998 finden die zweiwöchigen Kurse einmal jährlich statt. Angeboten werden Meisterklassen für Klarinette, Flöte, Klavier, Gesang, Trompete, Schlagzeug und Synthesizer, geleitet von namhaften Stockhausen-Interpreten. Durch diesen engen Kontakt der Studenten zu den Musikern der «ersten Generation» soll die werkgetreue Aufführung der Kompositionen Stockhausens auch für die Zukunft sichergestellt werden. Ergänzt werden die instrumentalen und vokalen Meisterkurse durch ein Kompositionsseminar, in dem Stockhausen Analysen seiner eigenen Werke diskutierte. Zusätzlich zum Kursprogramm finden zehn öffentliche Konzerte statt. Künstlerische Leiterin seit 2008: Suzanne Stephens.

 

LEIPZIG: Gruppe Neue Musik Hanns Eisler

Ensemble für Neue Musik, 1970 bis 1993. Die Formation wurde auf Initiative des Komponisten Friedrich Schenker und des Oboisten Burkhard Glaetzner gegründet und setzte sich aus acht Mitgliedern des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters Leipzig zusammen. In erster Linie bemühte sich das Ensemble um Aufführungen der Werke zeitgenössischer Komponisten der DDR: Friedrich Goldmann, Georg Katzer, Paul-Heinz Dittrich, Christfried Schmidt. Die Gruppe unternahm zahlreiche Konzerttourneen und war bis 1989 ein maßgebliches Organ für die Verbreitung Neuer Musik aus der DDR in westlichen Ländern.

 

LÜTTICH: Centre de Recherches et de Formation Musicales de Wallonie

1970 auf Initiative von Henri Pousseur und Pierre Bartholomée an der Universität Lüttich gegründet. Im Mittelpunkt der Forschungsarbeit stand neben der rein elektronischen Musik von Anfang an auch die «musique mixte», das heißt die Kombination von akustischen und elektronischen Klangmedien. Daneben versteht sich das Centre auch als Ausbildungs- und Förderinstitut: Seit 1997 werden regelmäßig Komponisten zu Aufenthalten eingeladen, um ein technologiegebundenes Projekt zu realisieren. Leitung: Henri Pousseur (1970–1996), Pascal Decroupet (1996–2001), Marie-Isabelle Collart (seit 2001).

 

MAILAND: Studio di Fonologia Musicale

1955 wurden die Komponisten Luciano Berio und Bruno Maderna von der staatlichen italienischen Rundfunkanstalt RAI mit der Einrichtung eines elektronischen Studios nach dem Vorbild des Kölner WDR-Studios beauftragt. Die Ausstattung entwickelte der Physiker Alfredo Lietti, die technische Leitung des Studios oblag dem Tonmeister Marino Zuccheri. Im Studio di Fonologia Musicale arbeiteten, neben Berio und Maderna, Komponisten wie Luigi Nono, Niccolò Castiglioni, John Cage und Henri Pousseur, daneben realisierte Fiorenzo Carpi hier zahlreiche Bühnenmusiken für den Regisseur Giorgio Strehler. 1983 Schließung des Studios. Seit September 2008 Ausstellung des Studio-Equipments im Musikinstrumentenmuseum Castello Sforzesco in Mailand.

 

MÜNCHEN: musica viva

Im Oktober 1945 von Karl Amadeus Hartmann als Konzertreihe im Münchner Prinzregententheater gegründet. Anliegen war es, die während des Nazi-Regimes verfemte Musik der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen, um dem Publikum «eine Überschau über die geistige und künstlerische Entwicklung der Gegenwart zu geben» (Hartmann). 1948 übernahm der Bayerische Rundfunk die Gesamtverantwortung für die Konzertreihe und stellte Rundfunkchor und -orchester für deren Durchführung zur Verfügung. Künstlerische Leitung ab 1963 Wolfgang Fortner, ab 1978 Jürgen Meyer-Josten, ab 1997 Udo Zimmermann, ab 2011 Winrich Hopp. 1997 Neuorientierung im Programmkonzept: Zu den traditionellen Orchesterkonzerten traten Sonderveranstaltungen multimedialen Charakters sowie die auf musikalische Experimente ausgerichteten Studiokonzerte, konzipiert und realisiert von Josef Anton Riedl.

 

MÜNCHEN: Siemens-Studio für elektronische Musik

Anlass zur Einrichtung des Münchner Siemens-Studios im Jahr 1955 war eine elektronische Filmmusik für eine Dokumentation über den eigenen Konzern. Josef Anton Riedl wurde mit deren Realisierung betraut und erhielt seitens der Siemens AG jede gewünschte Unterstützung; man stellte ihm das firmeneigene elektroakustische Labor zur Verfügung, wo Riedl verschiedenste elektronische Klanggeber entwickelte. Eine Neuheit war, dass zur Aufnahme der Musik keine Bandstücke mehr zusammengeklebt werden mussten: Die gesamte Apparatur wurde mit einer automatischen Steuerung ausgerüstet, gestanzte Papierstreifen dienten als Datenträger, mit denen die einzelnen Generatoren angesteuert werden konnten. Nach der Fertigstellung des Siemens-Films wurde die Arbeit mit den innovativen Geräten weiter verfolgt. 1960 Gründung des «Studios für elektronische Musik der Siemens & Halske AG» und Berufung Riedls zum künstlerischen Leiter. Komponisten wie Ligeti, Kagel, Boulez, Pousseur, Cage und Stockhausen zählten zu den Gästen im Münchner Studio. 1963 Schenkung an die Ulmer Hochschule für Gestaltung. Seit 1994 wird die Studioeinrichtung als Bestandteil der Sammlung «Elektronische Musikinstrumente und Musikakustik» im Deutschen Museum München ausgestellt.

 

PARIS: Domaine Musical

Konzertreihe in Paris, die 1953 von Pierre Boulez ins Leben gerufen wurde und bis 1973 Bestand hatte. Pro Saison fanden vier bis sechs Konzerte statt. Neben Werken der jüngsten Komponistengeneration (vor allem Stockhausen und Pousseur) wurden in den Konzerten auch Programme realisiert, die eine «Tradition der Innovation» aufzeigen sollten: Werke der Zweiten Wiener Schule standen hier ebenso im Mittelpunkt wie die Musik von Edgard Varèse, Igor Strawinsky oder Béla Bartók. 1966 legte Boulez die Leitung nieder, sein Nachfolger wurde der französische Komponist Gilbert Amy. Gespielt wurden die Konzerte von Musikern, die größtenteils in Pariser Sinfonieorchestern angestellt waren und sich zum so genannten Ensemble du Domaine Musical zusammenschlossen. Daneben waren regelmäßig Rundfunkorchester aus Deutschland zu Gast.

 

PARIS: IRCAM (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique)

1969 beauftragte der französische Präsident Georges Pompidou den Komponisten Pierre Boulez mit der Einrichtung eines musikalisch-akustischen Forschungsinstituts. Boulez’ Intention war es, Wissenschaft und Kunst zusammenzuführen und an einer Erweiterung der musikalischen Darstellungsmöglichkeiten zu forschen. Bereits Ende der 1970er Jahre galt das IRCAM als weltweit bedeutendste Forschungseinrichtung im Bereich Elektroakustik und Musikinformatik. Zu dieser Zeit wurden hier vor allem Methoden der computergesteuerten Frequenzanalyse entwickelt, die für die «Musique spectrale» von wesentlicher Bedeutung waren. Mit der grafischen Entwicklungsumgebung Max/MSP wurde eine Software entwickelt, die gegenwärtig zu den gebräuchlichsten Live-Elektronik-Programmen zählt. 1992 übernahm Laurent Bayle die Leitung und etablierte mit dem seither jährlich stattfindenden Agora-Festival ein Forum, in dem die Arbeit des IRCAM einem größeren Publikum bekannt gemacht wird. 2002 wurde der Philosoph Bernard Stiegler Leiter des Instituts, ihm folgte 2006 der Musikwissenschaftler und Pianist Frank Madlener. Das spezifische Merkmal der Arbeit des IRCAM besteht darin, diverse wissenschaftliche Sichtweisen zum Thema Musik, vor allem in den Bereichen Physik, Informatik, Psychologie und Musikwissenschaft, in einen Dialog zu setzen.

 

ROM: Musica Elettronica Viva

Gründung 1966 durch Alvin Curran, Richard Teitelbaum, Frederic Rzewski, Allan Bryan u. a. in Rom. Das Ziel war, improvisatorische Elemente in die elektronische Musik einzuführen und Aufführungen in Echtzeit zu realisieren. Neben Aufführungen im tradierten Konzertrahmen realisierte das Ensemble Veranstaltungen mit Publikumsbeteiligung, veranstaltete Straßenmusik und -theater und arbeitete mit Amateuren und Laienmusikern zusammen. In den 1970er Jahren teilte sich das Ensemble in verschiedene autonome Gruppen, die in Rom, Paris und New York aktiv wurden.

 

ROM: Villa Massimo

Kultureinrichtung der Bundesrepublik Deutschland mit Sitz in Rom. Erbaut von 1910 bis 1914 durch den Berliner Unternehmer und Mäzen Eduard Arnhold. Schenkung an den preußischen Staat mit einem Stiftungskapital von 680 000 Reichsmark. 1915 wurde das Gebäude beschlagnahmt und zu einem Kriegsversehrtenheim umfunktioniert. 1929 Wiederaufnahme des Betriebs, 1943 erneute Schließung. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Villa Massimo unter Verwaltung der Alliierten; 1956 wurde sie im Rahmen des bilateralen deutsch-italienischen Kulturabkommens an die Bundesrepublik zurückgegeben und das Stipendienprogramm wieder aufgenommen. Das Villa Massimo-Stipendium gilt heute als eine der renommiertesten Förderungen für Künstler in den Sparten Bildende Kunst, Literatur, Komposition und Architektur; es beinhaltet neben der finanziellen Unterstützung einen kostenfreien Arbeitsaufenthalt in Rom. Ein wichtiger Gedanke ist dabei die gegenseitige Anregung der Künstler. Die Akademie veranstaltet Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Exkursionen mit den Künstlerinnen und Künstlern und eingeladenen Gästen, die auch in Zusammenarbeit mit den internationalen Akademien in Rom und römischen Kultureinrichtungen konzipiert werden können.

 

TANGLEWOOD

Konzert- und Ausbildungsstätte in Berkshire County/Massachusetts. Seit 1937 Sommerdomizil des Boston Symphony Orchestra. Das seither jährlich ausgerichtete Tanglewood Music Festival ist eines der bekanntesten Musikfestivals in den USA und veranstaltet Konzerte aus den Bereichen Klassik, Jazz und Popularmusik. Zusätzlich bietet das Boston University Tanglewood Institute (BUTI) und das Tanglewood Music Center Kurse zur musikalischen Fortbildung an.