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Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

Biogramm

von Susanne Schmerda

(Sir) Harrison Birtwistle, geboren am 15. Juli 1934 in Accrington / Lancashire, wo er als einziges Kind einer Farmerfamilie aufwuchs. Siebenjährig begann er Klarinette zu spielen; elfjährig unternahm er erste Kompositionsversuche. Ab 1952 studierte er am Royal Manchester College of Music Klarinette (Frederick Thurston) und Komposition (Richard Hall). Als „magischen Moment“ erlebte er in London 1954 eine Aufführung von Olivier Messiaens „Turangalîla“-Symphonie. Nach dem Wehrdienst (1955–57) setzte er sein Klarinettenstudium bei Reginald Kell an der Royal Academy of Music in London fort (bis 1958); danach war er kurze Zeit Klarinettist im Royal Liverpool Philharmonic Orchestra.

 

Sein erstes gültiges Werk, das Bläserquintett Refrains and Choruses (1957), wurde 1959 beim Cheltenham Festival uraufgeführt. 1962–65 unterrichtete er Musik an der Cranborne Chase Girls School in Dorset. 1966–67 war er mit einem Harkness Fellowship in den USA, wo er in Princeton seine Oper Punch and Judy (Stephen Pruslin, 1966/67) vollendete. In London gründete er 1967 mit Peter Maxwell Davies und Stephen Pruslin die „Pierrot Players“ und 1970, mit dem Klarinettisten Alan Hacker, das Experimentalensemble „Matrix“. Seit 1970 verband ihn auch eine Zusammenarbeit mit der London Sinfonietta.

 

Die Schaffensphase zwischen 1973 und 1984 wurde bestimmt durch die Arbeit an der lyrischen Tragödie The Mask of Orpheus, uraufgeführt an der English National Opera 1986. 1974–75 war Birtwistle Gastprofessor an der State University of New York at Buffalo, 1975–88 musikalischer Leiter des National Theatre in London; besondere Anerkennung erhielt seine Musik zu Aischylos' Orestie-Trilogie (1981).

 

Das Orchesterstück Earth Dances (1985/86), 1986 vom BBC Symphony Orchestra unter Peter Eötvös uraufgeführt, erregte internationale Aufmerksamkeit: Christoph von Dohnányi dirigierte es 1994 in den USA, bei den Salzburger Festspielen und den BBC Proms, Pierre Boulez 2001 u.a. bei der musica viva in München und bei Wien Modern. Zu Birtwistles jüngeren Werken zählen Pulse Shadows für Sopran und Ensemble (Paul Celan, 1989/96), The Shadow of Night für großes Orchester (2001), erstmals aufgeführt vom Cleveland Orchestra 2002, sowie 26 Orpheus Elegies für Countertenor, Oboe und Harfe (Rainer Maria Rilke, 2003/04). Am Royal Opera House in London wurde im März 2008 die Oper The Minotaur (nach Friedrich Dürrenmatt, 2005/07) uraufgeführt.

 

1994–2001 lehrte Birtwistle als erster Henry Purcell Professor of Composition am King's College; seit 2001 war er Director of Composition des Royal College of Music in London. Zu seinem 50. Geburtstag wurde er 1984 sogar in Tokyo durch Porträtkonzerte geehrt. 1986 wurde er in London zum Ehrenmitglied der Royal Academy of Music und in Paris zum Chevalier des Arts et Lettres ernannt, 1988 in den britischen Adelsstand erhoben. Anlässlich seines 70. Geburtstags 2004 bildeten seine Werke Programmschwerpunkte u.a. des Lucerne Festival und des Southbank Centre London. Birtwistle ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin (seit 1988); er wurde u.a. ausgezeichnet mit dem Grawemeyer Award 1986 (für The Mask of Orpheus, 1973/84), dem Ernst von Siemens Musikpreis 1995 und dem British Companion of Honour 2001.


aus: «Komponisten der Gegenwart - KDG» hrsg. vom Hanns-Werner Heister und Walter Wolfgang Sparrer. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages edition text + kritik

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