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Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

ICH BIN EIN BASTARD

[Foto: Armin Köhler]

oder: Von Darmstadt und anderen Ideologien

Konrad Boehmer

Wenn es wirklich einen «Bad Boy» in der Szene der Neuen Musik nach 1950 geben sollte, dann ist es Konrad Boehmer. Mit seinen frechen und kompromisslosen Texten, die immer wieder wachrütteln und auch die eingefleischtesten Sektierer in ihrem Denken aus dem Trott bringen, hat er ebenso auf sich aufmerksam gemacht wie mit seinen Kompositionen im Orchester- und kammermusikalischen Bereich und mit seiner Oper Doktor Faustus. Auch in diesem Interview lässt er – wie kein anderer der innerhalb der Sendereihe Befragten – mit flotten Sprüchen und deftigen Worten Musikgeschichte lebendig werden.

Hat Boehmer also wirklich die Zauberformel für die Musik des 20. Jahrhunderts gefunden, wenn er von «Verdummungs- und Verdammungskomponisten» spricht? Kann George W. Bush mit einer Dissonanz «wegkomponiert» werden? Werden die Nummerngirls im Varieté eines Tages nach Schönbergs Zwölftonmusik die «Beine schwingen»? Was können die «Jungs der Popkultur» besser als die jungen Avantgardekomponisten? War Darmstadt eine «Weltmacht» und wurden dort wirklich gar «Bürgersöhne zum ersten Mal an eine 90-jährige Hure herangekarrt»? Einen großen Raum innerhalb des Gesprächs nehmen die Themen Musik und Politik sowie die Kategorien «Schönheit» und «Wahrheit» ein.