Elliott Cook Carter jr., geboren am 11. Dezember 1908 in New York, wuchs in einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie auf. Geschäftsverbindungen seines Vaters ermöglichten ihm Aufenthalte in Frankreich und Deutschland; einer Musikerlaufbahn standen seine Eltern ablehnend gegenüber. Sein Interesse an – zunächst ausschließlich zeitgenössischer – Musik wurde gefördert von seinem Musiklehrer an der Horace Mann School, Clifton Furness. Dieser machte ihn 1924 mit Charles Ives bekannt, der zu einer Art Mentor des Jugendlichen wurde.
Ab 1926 studierte Carter an der Harvard University, deren Musikabteilung ihm zu konservativ erschien, englische Literatur. Nebenbei besuchte er die Longy School of Music in Boston, wo er Oboenunterricht erhielt. Nach dem Bachelor of Arts (1930) schloss er ein Graduiertenstudium der Musik in Harvard bei Walter Piston und Gustav Holst an, das er 1932 mit dem Master of Arts beendete. Auf Empfehlung Pistons nahm er dann in Paris Kompositionsunterricht bei Nadia Boulanger, die ihm Musik der Renaissance sowie strengen Kontrapunkt näher brachte. 1935 in die USA zurückgekehrt, war er 1937–46 als Kritiker der Zeitschrift Modern Music tätig. 1937–39 war er zudem Musikdirektor des „Ballet Caravan“ von Lincoln Kirstein in New York; 1940–42 arbeitete er als Lehrer für Musik, Altgriechisch und Mathematik am St. John's College in Annapolis.
Seinen ersten internationalen Erfolg errang Carter mit dem 1. Streichquartett (1950/51; UA New York 1953). Carter, der nach dem Krieg seine Einkünfte aus Kompositionsaufträgen, Stipendien und diversen Professuren an amerikanischen Universitäten bezog, war lange im Vorstand der League of Composers, der American Composers Alliance und der US-amerikanischen Sektion der IGNM und 1955 sogar Vizepräsident der IGNM, bei deren Festivals er mehrfach als Juror auftrat. Nachdem er seit 1964 mit einigen Unterbrechungen eine Kompositionsprofessur an der Juilliard School in New York innegehabt hatte, zog er sich 1984 aus allen öffentlichen Positionen zurück.
Carter erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Pulitzer Prize (1960 und 1973), die Sibelius-Medaille (1961), die Goldmedaille des National Institute of Arts and Letters (1971), das Händel Medaillon (1978), die Edward MacDowell-Medaille (1983), die George Peabody-Medaille (1984), die National Medal of the Arts (1984), den Musikpreis der Ernst von Siemens-Stiftung (1984), die Titel „Commandeur dans l'Ordre des Arts et des Lettres“ (1987), „Commendatore“ des Verdienstordens der Republik Italien (1991) sowie Dr. h.c. (New England Conservatory 1961; Swarthmore College 1965; Princeton 1967; Ripon College 1968; Oberlin College, Boston, Harvard und Yale 1970; Peabody Conservatory 1974; Cambridge 1983).
Seit 1986 sind nahezu sämtliche Manuskripte, Briefe und Skizzen Carters in der „Sammlung Elliott Carter“ der Paul Sacher Stiftung in Basel zugänglich.
aus: «Komponisten der Gegenwart - KDG» hrsg. vom Hanns-Werner Heister und Walter Wolfgang Sparrer. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages edition text + kritik