Erlebte Geschichte - Home

Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

Hans-Klaus Jungheinrich: Identitäten - Der Komponist und Dirigent Peter Eötvös

EIN LEBEN ZWISCHEN DEN SYSTEMEN

[Foto: Armin Köhler]

oder: Von kleinen großen Taten

Peter Eötvös

Er ist nicht der Einzige der dirigierenden Komponisten innerhalb dieser Sendereihe, bei dem das Komponieren in verschiedenen Lebensabschnitten hintenan stehen musste. Mehr noch als bei den anderen Vertretern dieser Spezies reifte sein kompositorisches Schaffen bis hinein in die 1990er Jahre mehr oder weniger im Verborgenen. Nachdem er Mitte der 1960er Jahre mit Hilfe eines DAAD-Stipendiums nach Köln, dem damaligen Mekka der Neuen Musik kam, wurde Peter Eötvös in Westeuropa zunächst bekannt als Pianist und Schlagzeuger innerhalb des Stockhausen-Ensembles und vor allem als Dirigent. Er war nach Pierre Boulez, dem Gründer des Ensemble Intercontemporain, der erste feste Dirigent dieses Ensembles, war ständiger Gastdirigent des BBC Symphony Orchestra, des Budapester Festival Orchesters und schließlich Chefdirigent des Radio Kammerorchesters Hilversum.     Einen ganz besonders hohen Stellenwert innerhalb Eötvös’ Leben nahmen stets pädagogische Aktivitäten ein. Bekannt geworden auf diesem Gebiet ist insbesondere sein Internationales Institut für junge Dirigenten, das auch seinen Namen trägt, und seine unkonventionelle Dirigentenausbildung an der Musikhochschule in Karlsruhe. Einen wirklich eigenen kompositorischen Stil erlangte er erst mit seinen Orchesterwerken Atlantis und Shadows Mitte der 1990er Jahre, und ganz besonders große Aufmerksamkeit erregten seine in Lyon uraufgeführte Oper Drei Schwestern (1997) und As I crossed a bridge of dreams, eine Oper, die 1999 in Donaueschingen uraufgeführt wurde.