Erlebte Geschichte - Home

Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

Biogramm

von Klaus Lippe

Brian John Peter Ferneyhough, geboren am 16. Januar 1943 in Coventry als Sohn eines städtischen Angestellten. Musikalische Erfahrungen machte er seit seinem 11. Lebensjahr u.a. als Instrumentalist und Dirigent einer Blaskapelle, durch die er auch zu ersten Kompositionen angeregt wurde. 1961–63 besuchte er die Birmingham School of Music, wo er Werke aus dem Umkreis der Wiener und frühen Darmstädter Schule kennenlernte. Zugang zur Neuen Musik verschaffte er sich vor allem durch die Beschäftigung mit den Partituren, da Aufführungen der Werke in England zu jener Zeit nur selten stattfanden. Frühe auditive Schlüsselerlebnisse waren Varèses „Octandre“ und Stockhausens „Gruppen“ für drei Orchester. 1966–67 absolvierte er ein Studium bei Lennox Berkeley an der Royal Academy of Music in London. Eigene Kompositionen, die seine Orientierung an der europäischen Avantgarde deutlich erkennen ließen, waren jedoch bereits seit Mitte der 60er-Jahre entstanden.

 

1968 kam Ferneyhough zum ersten Mal aufs europäische Festland, wo er beim Gaudeamus-Wettbewerb in Holland einen Kompositionspreis für die Sonatas for String Quartet (1967) erhalten hatte. Die dort gemachten musikalischen und intellektuellen Erfahrungen ermutigten ihn, England noch im selben Jahr zu verlassen und mit finanzieller Unterstützung eines Mendelssohn-Stipendiums nach Amsterdam zu gehen, wo er für sechs Monate bei Ton de Leeuw studierte. Auf Vermittlung von Klaus Huber erhielt er 1970 ein Stipendium der Stadt Basel, das ihm ermöglichte, in Hubers Kompositionsklasse einzutreten. Die in dieser Zeit fertiggestellte Orchesterkomposition Firecycle Beta (1969/71) belegt aber, daß sein eigener Kompositionsstil bereits voll ausgeprägt war. Trotz der „offiziellen“ Studien bei Berkeley, de Leeuw und Huber ist Ferneyhough als Autodidakt zu bezeichnen.

 

Seit seiner Übersiedlung aufs europäische Festland hat sich Ferneyhough sowohl als Komponist als auch als Lehrer und Dozent internationale Anerkennung erworben. 1973–86 unterrichtete er Komposition an der Freiburger Musikhochschule. 1976 nahm er erstmals als Dozent an den Darmstädter Ferienkursen für neue Musik teil, für die er 1984–94 als Koordinator tätig wurde. Meisterkurse, Gastprofessuren und Vorträge führten ihn nach Den Haag, Mailand, Paris, Stockholm sowie an verschiedene nordamerikanische Universitäten und Colleges. 1987 übersiedelte er nach Kalifornien, um einem Ruf an die University of San Diego zu folgen.

 

Seit Anfang der 90er-Jahre hält Ferneyhough regelmäßig Kompositionskurse an der Fondation Royaumont bei Asnières-sur-Oise und am IRCAM in Paris. Er hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten und ist regelmäßig bei internationalen Festivals vertreten. Insbesondere die Komplexität seiner Notationen machte Ferneyhough zur Leitfigur der sogenannten „New Complexity“, zu der 1990 in Rotterdam ein Kongreß abgehalten wurde, an dem auch Ferneyhough maßgeblich beteiligt war.

Seit Anfang 2000 lehrt Ferneyhough an der Stanford University in Kalifornien.


aus: «Komponisten der Gegenwart - KDG» hrsg. vom Hanns-Werner Heister und Walter Wolfgang Sparrer. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages edition text + kritik

dual sim vertu buy vertu replica vertu copy autrichienne vertu ferrari replica replica handy vertu imitation luxury replica mobiles ascent 2010 êîïèÿ