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Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

SCHLECHTER GESCHMACK ALS STAATSDOKTRIN

[Foto: Armin Köhler]

oder: Von der Austreibung von Geschichte aus der Musik

Friedrich Goldmann

Was mag das wohl gewesen sein: «Sozialistischer Realismus»? Friedrich Goldmann hat auf diese Frage eine verblüffend einfache Antwort gefunden: Schlechter Geschmack. Diesen gibt es zwar in jeder Staatsform, als Staatsdoktrin war er jedoch eine Besonderheit der sozialistischen Gesellschaftsordnung bis 1989. Armin Köhler spricht mit Friedrich Goldmann über verschiedene Ausprägungen dieser Doktrin und die Probleme zwischen Ost und West in jener Zeit sowie über Goldmanns Ausbildung an der Dresdner Musikhochschule und im Dresdner Kreuzchor.

Goldmann galt als der «Boulez der DDR». Gewiss, die Analogien sind nur äußerlich. Auch Goldmann dirigierte mit viel Erfolg, seine Meinung hatte Gewicht, an ihr konnten sich selbst die hartgesottensten politischen Entscheidungsträger des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei die Zähne ausbeißen, und auch er arbeitete kompositionstechnisch mit einem seriellen Prinzip – ohne je orthodox zu verfahren. Dennoch: Der Vergleich mit Boulez greift zu kurz. Schließlich zählt Friedrich Goldmann zu den wenigen Autoren der DDR, denen es gelang, eine eigenständige Musik zu entwerfen, fernab sowohl von den Doktrinen der Avantgarde als auch von jenen des «Sozialistischen Realismus».