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Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

Werke

von Frank Schneider

Goldmanns kompositorische Produktion, die sich seit Mitte der 60er-Jahre öffentlich entfaltet, umfaßt (bis 1990) über 70 Werke. Sieht man von gelegentlichen Ausflügen in vokale, dramatische, filmische oder radiophone Gefilde ab, so bilden einerseits symphonische bzw. konzertante Orchestermusik und andererseits instrumentale Kammermusik für Ensembles oder Solisten die eindeutigen, miteinander eng verbundenen Schwerpunkte seines schöpferischen Interesses. Diese Orientierung auf die Tradition architektonisch geschlossener, komplex durchstrukturierter, mithin „absoluter“ Musik ist ebenso charakteristisch wie der Rekurs auf das spezifisch deutsche Erbe, einer Vorliebe für sozusagen materialgerechtes, gründlich erforschtes Handwerk und rational begründbare, gehaltreiche Technik. Eine damit korrespondierende weitere Eigenart offenbart sich in der vielgestaltigen und mehrschichtigen, jedoch stets kritischen und letztlich umwertenden Adaption klassischer Formmodelle und Strukturmuster – mit dem Ziel, ihre Plausibilität und Tragfähigkeit für einen klanglichen Ausdruck zu testen, der dem je gegenwärtigen ästhetischen, existentiellen, nicht zuletzt politischen Bewußtsein möglichst adäquat sein soll.

 

Zu den frühesten Stücken, die der Komponist gelten läßt, gehört ein Trio für Flöte, Schlagzeug und Klavier (1966). Es bildet den Auftakt zu einer längeren Schaffensphase, in der er sich – serielle Erfahrungen und indeterministische Antikonzepte gleichermaßen aufgreifend – mit Phänomenen der Clusterbildung, der gelenkten Improvisation, der Steuerung von klanglichen Massenereignissen im Wechsel mit den gestalt- und formbildenden Möglichkeiten von motivischer Polyphonie und von sonoristisch emanzipierten Einzelklängen beschäftigte. Nach drei frühen Orchester-Essays (1963, 1968, 1971) und zwischen bisher vier Symphonien (1972/73, 1976, 1986, 1988/89) entstanden in den 70er-Jahren eine Reihe von Solokonzerten für Posaune (1977), Violine (1977), Oboe (1978/79) und Klavier (1979) und in den 80er-Jahren „programmatische“ Orchesterstücke wie Inclinatio temporum (1981), Exkursion. Musica per Orchestra con Henrico Sagittario (1984), Spannungen eingegrenzt (1988) und Klangszenen (1990), in denen das serielle Konzept zunehmend zugunsten eines modal gelenkten, intervall-harmonisch disponierten und koloristisch verfeinerten Klangdenkens zurücktritt. Anregungen gingen dabei nicht mehr nur von Webern, Boulez oder Ligeti, sondern auch von solchen „Außenseitern“ der Avantgarde wie Varèse, Messiaen, Scelsi und besonders vom späten Nono aus. Das gilt ebenso für die nicht minder gewichtige Werkreihe für Kammerensembles, die von einer Musik für Kammerorchester (1973) über die Bläsermusik Zusammenstellung (1976) bis zu zwei Ensemble-Konzerten (1982, 1985), einer Sonata a quattro für 16 Spieler (1989) und dem Oktett „zerbrechlich schwebend“ (1990) reicht.


aus: «Komponisten der Gegenwart - KDG» hrsg. vom Hanns-Werner Heister und Walter Wolfgang Sparrer. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages edition text + kritik

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