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Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

WIR SCHREIBEN IMMER DAS GLEICHE STÜCK

[Foto: Universal Edition Wien]

oder: Reiz des Verbotenen

Cristobál Halffter

Er ist in einer traditionsreichen Musikerfamilie aufgewachsen, in der keine geringeren Künstler wie Manuel de Falla, Federico Garcia Lorca und Salvador Dalí ein- und ausgingen. Seine beiden Onkel Rodolfo und Ernesto Halffter waren in Spanien angesehene Komponisten. Dieser Background einer Hochkultur prägte Cristobál Halffter nachhaltig. Nicht weniger prägend waren auf der anderen Seite jedoch auch die Erfahrungen des Spanischen Bürgerkrieges und das Leben in einem Land der Diktatur. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Themen der Gewalt und der Menschlichkeit im Zentrum seines musikalischen Œuvres stehen.

Halffter ließ sich politisch nie einbinden. Und als er 1964 dennoch die Leitung des Madrider Konservatoriums übertragen bekam, trat er bereits 1966 wieder zurück, als er die Gefahr spürte, doch zu stark in das diktatorische System Francos verstrickt zu werden. Seine Musik ist bekenntnishaft und geprägt von starken emotionalen Brüchen. Antifona für Solisten, Chor und Orchester aus dem Jahre 1952 bezeichnet er als sein erstes Werk, das er gelten lässt. Ausgehend von diesem Stück fand er schrittweise den Anschluss an die mitteleuropäische Avantgarde, den er nachhaltig suchte.