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Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

MUSIK DES KLASSENFEINDES

[Foto: Charlotte Oswald]

oder: Von den verborgenen Wegen eines DX7

Georg Katzer

Er war ein Vermittler sowohl zwischen Gattungen und Genres als auch zwischen politischen Lagern, als es galt, avanciertem musikalischem Denken in der DDR Raum zu verschaffen, und er war ein Vermittler zwischen den ästhetischen Kampflinien, als einige noch zu wissen glaubten, wo vorn und hinten in der Kunstentwicklung ist: Georg Katzer, Jahrgang 1935, hat sich bislang stilistisch nie festgelegt; er komponierte avancierte Kammermusik, aber auch Musik für den Film, die Oper und Orchestermusik, und wenn es nötig schien, improvisierte oder schrieb er auch mal ein Lied zur Gitarre. Radikalismen sind ihm ebenso fremd wie ästhetische Ideologien. In der DDR war sein Handeln innerhalb wichtiger politischer Entscheidungsgremien ein nicht zu unterschätzendes Regulativ für avanciertes Musikdenken. Ohne sein großes Engagement wäre wohl so manche Partitur Neuer Musik der DDR nicht erschienen, hätte so mancher Komponist kaum eine soziale Basis gefunden, hätte es in der DDR kein Studio für elektroakustische Musik gegeben. So ist es auch nicht verwunderlich, dass im Werkverzeichnis von Georg Katzer das Komponieren und das Improvisieren mit elektronischen Mitteln einen besonderen Platz einnehmen. Das wiederum ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass für die Ausstattung eines elektronischen Studios in der DDR die entsprechenden finanziellen und technologischen Möglichkeiten ganz und gar nicht gegeben waren.