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Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

Biogramm

von Jutta Raab

Georg Katzer, geboren am 10.Januar 1935 in Habelschwerdt/Schlesien, verbrachte dort seine Kindheit. Am Ende des 2.Weltkriegs mit dem Vormarsch der Roten Armee floh die Familie aus Schlesien und siedelte 1946 endgültig in die sowjetische Besatzungszone über. In Dretzen bei Zieser/Sachsen-Anhalt kam der 11jährige in die damals auf dem Lande übliche einklassige Nachkriegs-Grundschule. Seine musikalische Betätigung erstreckte sich in dieser Zeit auf das Mundharmonikaspiel. An eine musikalische Grundausbildung war nicht zu denken: Sein Vater, gelernter Konditor und bereits vor dem Krieg zu verschiedenem Broterwerb gezwungen, arbeitete nun als Waldarbeiter und später als Lohnbuchhalter in einer Forstverwaltung. Von seinem 13.Lebensjahr an bis zum Abitur besuchte Georg Katzer die Internatsschule in Schloß Wendgräben in der Nähe Magdeburgs. Obwohl es keinen obligatorischen Schulmusikunterricht gab, eignete er sich im Internat autodidaktisch die Handhabung von Violine, Klarinette und Klavier an und hielt seine Improvisationen auch im Notenbild fest. In der 11.Klasse erhielt Katzer im 30km entfernten Burg Klavierunterricht. Etwa in die Zeit seines Abiturs fällt der erste Konzertbesuch Katzers.

 

Nach der Reifeprüfung bewarb er sich an der Musikhochschule in Berlin. Damit er die Voraussetzungen für ein Musikstudium erfüllen konnte, gewährte man ihm ein Vorstudienjahr. Anschließend belegte er die Fächer Theorie, Tonsatz und Klavier. Sein erster Kompositionslehrer war Rudolf Wagner-Régeny, der jedoch wenig mit dem unerfahrenen Musikstudenten anzufangen wußte, so daß ihn Ruth Zechlin bis zu seinem Staatsexamen 1959 pädagogisch betreute. 1955–56 studierte Katzer im Rahmen eines Studentenaustauschs bei Karel Janeček am Konservatorium in Praha [Prag]. Bis zu seinem Meisterschüler-Studium bei Hanns Eisler 1960 betätigte sich Katzer u.a. als Pianist eines Berliner Kabaretts, für das er auch mehrere Einstudierungen übernehmen mußte. Eisler regte Katzer zur Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Gattungen und Genres an und unterstützte seine ersten Bemühungen auf dem Gebiet der angewandten Musik. Der Tod Eislers unterbrach 1962 Katzers Kompositionsstudien, die er noch bei Leo Spies fortsetzte. Spies machte seine Studenten insbesondere mit dem Klavierwerk Skrjabins vertraut, zu dem Katzer auch heute noch eine intensive Beziehung besitzt.

 

Seit 1962 lebt Katzer freischaffend in Berlin. Mit Streichquartett (1966/67) und Baukasten für Orchester (1972) gelang ihm in der damaligen DDR der Durchbruch. Seit 1978 war er Mitglied der Akademie der Künste der DDR; 1982 wurde er zu einem der Vizepräsidenten des Verbands der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR gewählt, verantwortlich für den kompositorischen Nachwuchs. Im Rahmen eines Dramatik-Wettbewerbs des Kinder- und Jugendtheaters erhielt er 1975 für seine Kinderoper Das Land Bum-Bum den 1.Preis, ein Jahr darauf den Kunstpreis der DDR. Für sein kompositorisches Gesamtschaffen wurde ihm 1981 der Nationalpreis der DDR verliehen. 1982 hatte er eine Gastprofessur an der Michigan State University/USA.


aus: «Komponisten der Gegenwart - KDG» hrsg. vom Hanns-Werner Heister und Walter Wolfgang Sparrer. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages edition text + kritik

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