Erlebte Geschichte - Home

Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

DER FORTSCHRITT LEBT DAVON, DIE ERINNERUNG ZU TILGEN

[Foto: Armin Köhler]

oder: Von Dogmen und Banalitäten, Moden und Diktaturen

Wilhelm Killmayer

Wilhelm Killmayer, Jahrgang 1927, ist in der kleinen Welt der Neuen Musik ein Außenseiter. Das hat ihn dank seines bajuwarischen Eigensinns allerdings zu keiner Zeit gestört. Er wollte ohnehin nie dazugehören. Freimütig nannte er sich eher einen Traditionalisten – und das schon zu Zeiten, als man keineswegs mit der Fahne der Tradition kokettierte. Auch als er später in den Eintopf der so genannten «Neuen Einfachheit» geworfen wurde, bekümmerte ihn das nicht. Früh schon in den 1960er Jahren – als noch niemand von der Unvereinbarkeit des Gleichzeitigen sprach –, verwies er darauf, dass die vielschichtigen Erscheinungen der Welt nicht zusammenzuzwingen sind. Für ihn weckte die Vielfalt und damit die Unüberschaubarkeit des Lebens und der künstlerischen Erscheinungen nicht wie bei anderen Zeitgenossen Unbehagen, sondern Reichtum.

Killmayers Musik ist außerordentlich expressiv und die Kategorien des Humoristischen und des Heiteren sind ihr keineswegs fremd. Auch das ist Kainsmal genug. Bemerkenswert sind seine Schriften zum Verhältnis von Musik und Sprache, ganz speziell am Beispiel Friedrich Hölderlins. Sie sollten nachhaltigen Einfluss auf zahlreiche seiner musikalischen Entwürfe haben. In diesem Interview spricht er über seine künstlerischen und politischen Prägungen und über sein Verhältnis zur Moderne.