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Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

Biogramm

von Joachim Noller

Giacomo Manzoni, geboren am 26.September 1932 in Mailand. Im Alter von zwölf Jahren hatte er seine ersten enthusiastischen Klangerlebnisse auf einer Ziehharmonika; später kam das Klavier hinzu. 1948, nachdem er seinem Vater nach Messina gefolgt war, schrieb er sich in das dortige Liceo musicale ein. An diesem Institut lehrte Gino Contilli, ein Pionier der Dodekaphonie in Italien, der prägend, wie kein anderer Hochschullehrer nach ihm, in die musikalische Adoleszenz seines Schülers eingriff. Dieser wechselte 1950 an das Konservatorium seiner Geburtsstadt, wo er 1954 ein Klavier- und zwei Jahre später ein Kompositionsdiplom erwarb. Gleichzeitig studierte er an der Universität in der Fakultät Lingue e letterature straniere [ausländische Sprachen und Literaturen], spezialisierte sich auf das Deutsche und promovierte 1955 – nach einem Studienaufenthalt in Tübingen – mit einer Arbeit über Die Rolle der Musik im Werke Thomas Manns.

 

Nachdem er schon während des Studiums mit eigenen Kompositionen hervorgetreten war, besuchte Manzoni 1956 und 1957 die Ferienkurse in Darmstadt und setzte sich intensiv mit dem Serialismus auseinander. Seit dieser Zeit trat er auch mit musikpublizistischen und übersetzerischen Arbeiten an die Öffentlichkeit, die – besonders in den ersten Jahren – dem Broterwerb dienten, doch von Manzoni stets auch als soziale und kulturelle Aufgabe verstanden wurden. In diesen Publikationen (hervorzuheben wäre die musikkritische Tätigkeit 1958–66 in der kommunistischen Tageszeitung L'Unità, die Übersetzung bedeutender Schriften Adornos, eine Schönberg-Monographie, ein Konzertführer u.a.) trägt auch die eingehende Beschäftigung mit der deutschen Sprache und Kultur ihre Früchte.

 

Seit 1962 unterrichtete Manzoni Harmonielehre und Kontrapunkt, zunächst am Mailänder Konservatorium, dann ab 1965 in Bologna, wo ihm 1969 eine Kompositionsklasse („fuga e composizione“) anvertraut wurde; 1974 kehrte er in gleicher Stellung nach Mailand zurück. 1982 lebte er auf Einladung des DAAD in Berlin.

 

Seinem Schaffen liegt eine Weltanschauung zugrunde, die aufklärerischen Traditionen verpflichtet ist und ihn schon in jungen Jahren zur politischen Stellungnahme motivierte. 1953 wurde er deshalb vorübergehend von der Mailänder Konservatoriumsleitung relegiert. 1960–86 war er Mitglied der KPI und beteiligte sich, besonders in den 70er-Jahren, an zahlreichen kulturpolitischen und kulturellen Initiativen der italienischen Kommunisten. Sein Engagement – vor allem, soweit es sich in der Musik niederschlug – war dabei stets von zurückhaltender und subtiler Art, in deutlicher Distanz zur politischen Aufbruchsstimmung und zu den musikalischen Manifesten der 60er-Jahre. Die engagierte Haltung, darauf insistierte Manzoni des öfteren, verifiziere sich im künstlerischen Material und nicht in äußerlichen Gesten.

 

Preise und Auszeichnungen: 1973 Unesco-Auszeichnung für Parole da Beckett; zweimal Premio Abbiati, 1986 für Dedica, 1989 für Doktor Faustus; 1990 Diploma di medaglia d'oro des italienischen Staatspräsidenten.


aus: «Komponisten der Gegenwart - KDG» hrsg. vom Hanns-Werner Heister und Walter Wolfgang Sparrer. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages edition text + kritik

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