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Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

VON EINEM VOLK DER REBELLEN

[Foto: Schott Music Mainz/Katharina Freiberger

oder: Ästhetik als Revolution

Krzysztof Penderecki

Für einen «Verräter» hat er eine erstaunliche Karriere hingelegt. Schon sein Eintritt in die große kleine Welt der Neuen Musik vollzog Krzysztof Penderecki mit einem Paukenschlag: 1959 gewann der 28-jährige, vollkommen unbekannte Assistent der Krakauer Musikhochschule beim anonymen 2. Kompositionswettbewerb des polnischen Komponistenverbands für seine Werke Strophen, Emanationen und Aus den Psalmen Davids alle drei zu vergebenden Preise. Dieses Husarenstück ist nie wieder einem Komponisten gelungen. Seither waren seine Werke bei allen wichtigen Festivals der Avantgarde prominent vertreten. Der weitere Weg schien voraussehbar. Doch schon sieben Jahre später folgte die nächste Überraschung: Mit seiner Lukaspassion wandte er sich vom Pfad der Avantgarde ab und den traditionellen Großformen des Oratoriums und der Oper zu. Als «Verräter» oder «Pendaredetzky» verunglimpft, schuf Penderecki seither großformatige Entwürfe, die er in aller Welt auch selbst dirigiert und für die er zahlreiche internationale Preise erhielt. Die Liste seiner Auszeichnungen und Ehrungen ist jedenfalls mindestens genau so lang wie seine Werkliste.