Krzysztof Penderecki, geboren am 23.November 1933 in Debica/Polen, darf in seiner kompositorischen Entwicklung als ein gleichsam nach außen gekehrtes Spiegelbild der Musikgeschichte seit 1960 angesehen werden. Er studierte 1955–58 Komposition, u.a. bei Arthur Malawski am Krakauer Konservatorium. 1959 gewann er mit drei Kompositionen (Strophen, Emanationen und Psalmen Davids) jeweils den 1.Preis bei einem anonym ausgetragenen Wettbewerb in Polen. Im gleichen Jahr war er beim Warschauer Herbst vertreten.
Für 1960 erhielt er einen Auftrag zu einer Orchesterkomposition vom Südwestfunk: die Donaueschinger UA von Anaklasis machte Penderecki mit einem Schlag in den Kreisen der Avantgarde bekannt. Die spürbar gesellschaftspolitisch Stellung beziehende Ausrichtung mehrerer seiner Kompositionen, so etwa der Threnos für die Opfer von Hiroshima (1961) und Dies irae (zum Gedenken an die Ermordeten in Auschwitz, 1967), später dann das Polnische Requiem (1980/84), ließen bald weitere Kreise auf sein Schaffen aufmerksam werden. Zurückgezogenheit in einen „elitären“ Kreis von Neutönern war dem seinen Katholizismus nie verleugnenden Komponisten (viele seiner Werke sind geistliche) seit jeher fremd. So bewegten sich seine stilistischen Mittel mit gewisser innerer Konsequenz hin auf klarere und einfachere Ausdrucksmittel. Die Experimente mit extremen Klang- und Geräuschexzessen, mit denen Penderecki zunächst für Furore sorgte, wurden zurückgenommen, an ihre Stelle traten einfachere, faßlichere melodische Linien und kontrapunktische Führungen, die hörbar an konventionellere Ausdrucksgestaltung anknüpften.
Eine rege Lehrtätigkeit trat hinzu. 1966–68 unterrichtete Penderecki als Dozent an der Folkwang-Hochschule in Essen; seit 1972 ist er Rektor an der Musikhochschule in Kraków [Krakau]. 1973–78 hatte er eine Professur an der Yale University/New Haven. Die große Breitenwirkung seines Schaffens dokumentiert sich daneben in zahlreichen Auszeichnungen und Preisen. So wurde Penderecki u.a. 1962 der Preis der Unesco für Threnos verliehen, 1966 erhielt er für die Lukas-Passion den Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen, 1967 den Prix Italia für das gleiche Werk. 1970 konnte er den Preis des Polnischen Komponistenverbands entgegennehmen, es folgten 1977 der Wiener Gottfried von Herder-Preis und der Prix „Arthur Honegger“ (für Magnificat, 1974), 1983 der Sibelius-Preis der Wihuri-Stiftung und 1987 der Karl Wolf-Preis der israelischen Wolf-Stiftung. Zahlreiche Ehrendoktor-Titel und Ehrenmitgliedschaften ergänzen die lange Reihe der Auszeichnungen.
Penderecki gilt heute als der vielleicht wichtigste Vertreter einer gemäßigten Moderne, dessen Musik nicht Zuflucht in den Refugien der Avantgarde nehmen muß, sondern im Abonnementbetrieb Eingang findet. Diese Tendenzen werden auch in seinem Opernschaffen kenntlich, nach Die Teufel von Loudun (1969) und der weit gemäßigteren Oper Paradise lost (1978) wurden Die schwarze Maske für die Salzburger Festspiele 1986 und Ubu Rex für die Münchner Festspiele 1991 geschrieben.
aus: «Komponisten der Gegenwart - KDG» hrsg. vom Hanns-Werner Heister und Walter Wolfgang Sparrer. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages edition text + kritik