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Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

SEXSKANDAL IN STUTTGART

[Foto: Armin Köhler]

oder: Von Filmen und visuellen Poesien

Josef Anton Riedl

Es gibt keinen anderen Komponisten im deutschen Sprachraum, der so konsequent seinen Weg gegangen ist wie Josef Anton Riedl. Seine Werturteile sind stets messerscharf formuliert, ihre Konturen hier und da überzeichnet, zu keiner Zeit aber schließen sie sich einer geläufigen Meinung an. Bekannt geworden ist Riedl durch seine frühen elektronischen Arbeiten, seine konkrete und visuelle Poesie, seine Arbeiten für das Schlagzeug und vor allem durch Entwürfe, die sich zwischen allen Stühlen bewegen: Environments und KlangLichtDuft-Installationen. Weniger bekannt außerhalb des engeren Musikzirkels sind seine herausragenden Aktivitäten als Konzertveranstalter Neuer und außereuropäischer Musik. Im Grunde ist er mit seinen Veranstaltungen in München und Bonn seit Ende der vierziger Jahre bis heute der Vater aller Neue Musik-Veranstalter in Deutschland.

Riedl hat das berühmte Siemens-Studio für elektronische Musik mitbegründet, ebenso die deutsche Sektion der Jeunesse Musicales, das Kulturprogramm der Olympischen Spiele 1972 in München verantwortet und sieben Jahre das Bonner Kulturforum geleitet. Und Josef Anton Riedl ist der Erste, der Musik für den experimentellen Film der frühen 1950er Jahre beigesteuert hat – beispielsweise die Musik zu Edgar Reitz’ Film Geschwindigkeit.