1951 hatte Riedl Für Claves und ein Stück für Streicher und Schlagzeug komponiert, dessen Part für Pauken, Tempelblocks und Röhrenglocken er 1955 als Stück für Schlagzeug 51 aufführen ließ; gleichfalls von einem einzigen Spieler auszuführen sind das Stück für Schlagzeug 57 und Geschwindigkeit (1963). Vorrang hatte indes bis 1966 die Arbeit im Siemens-Studio, in dem auch Kagel, Herbert Brün, Henri Pousseur, Paul Pörtner, Cage u.a. tätig waren. Im Unterschied zum Studio des WDR in Köln war das Münchner Studio u.a. mit einer Vorform des Computers ausgerüstet, der Lochstreifensteuerung sämtlicher Parameter, mit der erstmals Riedls Komposition Nr.2 (1963/65) realisiert wurde, ohne jegliche Bandschnitte, mit umgerechnet 104 000 Bits pro Sekunde (für acht Schichten). Riedl komponierte zudem autonome (selbständig aufführbare) Musik zu experimentellen Filmen von Edgar Reitz und Vlado Kristl, aber auch zu Schauspielinszenierungen von Fritz Kortner und – in den 80er-Jahren – von Franz Xaver Kroetz.
Mit der 1967 gegründeten „Musik/Film/Dia/Licht-Galerie“ schuf Riedl die technischen und ästhetischen Voraussetzungen für die Realisierung multimedialer Projekte und Veranstaltungsformen, sowohl der von ihm selbst konzipierten, wie Silphium I (1968/70) und Klangleuchtlabyrinth (1976, für Donaueschingen), als auch von Cages multimedialem „HPSCHD“ (1971 in Berlin, 1976 in Venedig, 1979 in Bonn) und „Musicircus“ (1979). In den Jahren 1975–77 schrieb Riedl Epiphyt und Un chien andalou (als Live-Aufführung zu Buñuels Film) für bis zu neun bzw. zwei Synthesizer; im selben Zeitraum entwarf er für die Glas-Spiele (1977) ein werkspezifisches, aus vielen Einzelteilen zu komponierendes Instrumentarium, wie er zuvor aus vielerlei Fundstücken Metallophonien (u.a. Metallophonic-Raum, 1976) montieren ließ.
Nicht minder charakteristisch für Riedls Produktion ist die ständige Umarbeitung bzw. Neukombination seiner auf Tonband fixierten Kompositionen, die nun ihrerseits das Material für neue Stücke wie Landschaftsbeschreibung I (1973) und II (1981) bilden. Dazu zählt auch die Fortsetzung für Neues unbeschränkt offener Zyklen wie die nicht mehr in Klänge übertragbaren, rein Optischen Lautgedichte von 1960 in den 90er-Jahren. Die noch auf Tonband fixierten Akustischen Lautgedichte (1959 und 1963) wurden hingegen seit den 70er-Jahren durch erst aufzuführende, im Album Sila Silaspihr (1977ff.) gesammelte und sämtlich anagrammatisch aus dem Satz „Vielleicht ist es so, vielleicht ist es aber auch nicht so“ aus Georg Büchners Lustspiel „Leonce und Lena“ entwickelte Lautgedichte für körperlich-perkussiv agierende Sprecher ergänzt. Aus der Paper Music I (1968) entstand 1992 die ins Szenische erweiterte Paper Music II, und im „Audiovisual Event“ WU-TKAR; SSLA ZTASTAL-TKARBU (1995, für Donaueschingen) verbinden sich Sprechen und Klatschen mit den Klängen von Glasröhren, -kugeln und -gefäßen.
aus: «Komponisten der Gegenwart - KDG» hrsg. vom Hanns-Werner Heister und Walter Wolfgang Sparrer. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages edition text + kritik