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Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

IST LOUIS ARMSTRONG MEIN ONKEL?

[Foto: Armin Köhler]

oder: Vom Ausdruck des Eindrucks

Mathias Spahlinger

Neue Musik, sofern sie «den Namen ‹Neue Musik› verdient», so Mathias Spahlinger, «darf nicht hinter das einmal erreichte Reflexionsniveau» zurückgehen. Das heißt, sie muss sich und ihre eigenen Mittel einer permanenten Selbstreflexion stellen. Wie kaum ein Anderer begreift der Freiburger Kompositionsprofessor damit Komponieren als einen radikal erkenntniskritischen Prozess; und auch der Hörer sollte in die Lage versetzt werden, sich bewusst zu machen, wie er musikalische Zusammenhänge erkennt und für sich strukturiert. Seine Werke wollen mithin nicht «Wirkung» auslösen, sondern Verständnis. Das heißt für ihn aber auch immer wieder, eingeschliffene Hörweisen durch spezielle kompositorische Versuchsanordnungen kritisch zu brechen. Dahinter steht gewiss ein Rückgriff auf Adornos Maxime der «bestimmten Negation», die Spahlingers Musik immer wieder das Etikett einer «musica negativa» eingebracht hat. Er steht dazu, zumal diese Haltung zugleich Ausdruck eines explizit politischen Denkens ist, begreift doch Mathias Spahlinger musikalische Ordnungen immer auch als gesellschaftliche, ästhetisches immer auch als politisches Verhalten. Politisches Denken und politisches Handeln hat sich ihm eingebrannt. Dafür boykottiert er schon mal Veranstaltungen, die im Zusammenhang mit Institutionen stehen, die sich in der dunklen Phase der deutschen Vergangenheit die Finger beschmutzt haben, oder er entzieht sich gar selbst einer seiner sozialen Grundlagen als Komponist, wenn er aus analogen Gründen seinen Hausverlag verlässt. Das Gespräch dokumentiert, wie weit gestreut Spahlingers musikalische Interessen sind. Sie reichen von Blockflöten- und Gambenmusik des Mittelalters bis zur Musik der Moderne, von komponierter bis zu improvisierter Musik, von Orlando di Lasso bis zu Charlie Parker.