Erlebte Geschichte - Home

Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

Biogramm

von Peter Niklas Wilson

Mathias Spahlinger, geboren am 15.Oktober 1944 in Frankfurt/Main. Sein Vater war Cellist am Frankfurter Opernhaus und erteilte ihm seit 1951 Unterricht auf Fidel, Blockflöte, Gambe und Violoncello, wodurch er früh die Musik des Mittelalters und der Renaissance kennenlernte. Seit 1952 erhielt er Klavierunterricht, seit 1955 wirkte er im Kinderchor der Frankfurter Oper mit. In der Schulzeit entstanden erste Kompositionen. 1959 verließ er, der unangepaßte Schüler aus einfachen Verhältnissen, das Gymnasium und wechselte zur Realschule; im gleichen Jahr begann er mit dem Saxophonspiel und war in diesen Jahren Stammgast des legendären Frankfurter Jazzkellers – als Zuhörer wie als ungebärdig unkonventionell Improvisierender. Nach der mittleren Reife trat Spahlinger auf väterlichen Wunsch eine Schriftsetzerlehre an, die er 1965 mit der Schriftsetzer-Gehilfenprüfung abschloß.

 

Private Kompositionsstudien, die er seit 1964 bei Konrad Lechner betrieben hatte, setzte er ab 1965 mit dem Studium an der Städtischen Akademie für Tonkunst in Darmstadt fort (Hauptfächer: Komposition bei Konrad Lechner, Klavier bei Werner Hoppstock). Der staatlichen Privatmusiklehrerprüfung 1968 folgten Jahre des Unterrichtens als Lehrer für Klavier, Musiktheorie, Elementarausbildung, musikalische Früherziehung und Blockflöte an der Stuttgarter Musikschule. In Stuttgart gründete er eine Lehrer-Arbeitsgemeinschaft für experimentelle Musik. 1973 nahm Spahlinger ein Kompositionsstudium bei Erhard Karkoschka an der Stuttgarter Musikhochschule auf, das er 1977 mit dem neueingerichteten, der Promotion gleichgestellten Großen Kompositionsexamen abschloß.

 

1978–81 wirkte er als Gastdozent für Musiktheorie an der Berliner Hochschule der Künste. In diese Jahre fallen die ersten offiziellen Anerkennungen seiner kompositorischen Arbeit: 1979 war Spahlinger Stipendiat der Heinrich Strobel-Stiftung des Südwestfunks, 1980 und 1982 erhielt er erste Preise der Stiftung „Künstlerhaus Boswil“ (für die Kompositionen éphémère und aussageverweigerung – gegendarstellung). 1982 trat er eine Tätigkeit als Lehrbeauftragter für Musiktheorie an der Staatlichen Hochschule für Musik Karlsruhe an, die im Jahr darauf in eine Professur für Komposition und Musiktheorie umgewandelt wurde. 1990 wurde Spahlinger als Nachfolger von Klaus Huber als Professor für Komposition an die Musikhochschule Freiburg/Br. berufen.


aus: «Komponisten der Gegenwart - KDG» hrsg. vom Hanns-Werner Heister und Walter Wolfgang Sparrer. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages edition text + kritik