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Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

Rudolf Frisius
Stockhausen
Einführung in das Gesamtwerk.

VON GESCHLACHTETEN STIMMEN UND GERICHTSPROZESSEN

[Foto: Armin Köhler]

oder: Komponieren ist immer ein Wagnis

Karlheinz Stockhausen

Wäre John Lennon 1980 nicht ermordet worden, könnte die Musikgeschichte unter Umständen auf ein spektakuläres gemeinsames Konzert zweier Musik-Ikonen zurückblicken: ein Konzert von John Lennon und Karlheinz Stockhausen. Immerhin hatte es Stockhausens Konterfei 1967 auf das Cover des Beatles-Albums Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band geschafft.

Karlheinz Stockhausens Musik wurde und wird von den verschiedensten musikalischen Strömungen rezipiert – von Frank Zappa über Björk bis zur Techno-Szene, zu deren Vorläufer viele ihn inzwischen zählen. In der Szene klassischer Musik hingegen wurde Stockhausen viele Jahre erbittert bekämpft und es wurden sogar Gerichte gegen seine Musik bemüht, sahen viele doch mit ihm das «Ende der europäischen Musikgeschichte» eingeläutet. Wie kein anderer deutscher Komponist nach 1945 verkörperte Stockhausen den musikalischen Bürgerschreck. Mit seinen Äußerungen zu den Anschlägen des 11. September 2001, die er als «das größte Kunstwerk, was es je gegeben hat» bezeichnete, hat er landesweit Empörung hervorgerufen. Das Gespräch gibt u. a. ungeahnte Einblicke in das Seelenleben des jungen Stockhausen; es vermittelt das Bild eines jungen Mannes, der aufbricht, die Welt zu verändern.