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Armin Köhler: Erlebte Geschichte. Aufbrüche, Rückblicke, Zeitläufte

Biogramm

von Stefan Schädler

Walter Zimmermann, geboren am 15. April 1949 in Schwabach/Mittelfranken. Der Vater, ein Bäckermeister, hatte nach dem Krieg das Geschäft des Großvaters übernommen und nicht die Laufbahn eines Schulmusikers eingeschlagen, wozu er nach dem Notabitur ausgebildet worden war. Seine musikalischen Fähigkeiten – er spielte fünf Instrumente – sowie sein organisatorisches Geschick machten ihn jedoch zum Zentrum des Dorfes; er organisierte Aufführungen von Theaterstücken, Veranstaltungen des Gesangsvereins und Feste, bei denen in einer Ives-artigen Situation verschiedene Musikgruppen gleichzeitig spielten. Diesem Umfeld entstammten die ersten musikalischen Eindrücke. Mit sechs Jahren begann Zimmermann, das Klavierspiel zu erlernen.

 

Mit 14 Jahren fing er unter dem Eindruck von Dvořáks Symphonie “Aus der Neuen Welt” zu komponieren an. Neben Klavier erlernte er Violine und Oboe. 1968–70 war er Pianist im “ars nova-ensemble” Nürnberg, wo er gleichzeitig bei Werner Heider Komposition studierte. 1970 erfolgte die Übersiedlung nach Köln. Der Abschied aus dem heimatlichen Milieu brachte neue Orientierungen und Entscheidungen. Einen Vorspieltermin bei Aloys Kontarsky nahm Zimmermann nicht wahr; damit war die Entscheidung gegen eine Pianistenlaufbahn und für den Beruf eines Komponisten gefallen.

 

Werner Heider hatte die “Welt” der neuen Musik für ihn geöffnet; Versuche, einen Nachfolger für ihn in der Funktion eines Kompositionslehrers zu finden, schlugen fehl. (Ein Brief an B. A. Zimmermann wurde mit der Nachricht seines Todes beantwortet.) Regelmäßig trafen sich bei Stockhausen Kompositionsschüler und Bewunderer; zu einem dieser Treffen kam auch Zimmermann und erhielt so die Möglichkeit, sich in diesem internen Zirkel umzuschauen und zu prüfen, ob er mit Stockhausen studieren wolle. Er besuchte die Konzerte der neuen Musik in Köln (WDR, Musikhochschule) und hatte das Gefühl, den Regeln dieser Szene mit ihrer Mischung aus Idealisierung und Intrige weder entsprechen zu können noch zu wollen. Ähnlich negativ verlief eine Begegnung mit Mauricio Kagel, den er schon von Nürnberg her kannte. Er blieb weitgehend Autodidakt.

 

Andere Projekte und Kontinente tauchten auf. 1970–73 studierte er bei Otto Laske in Utrecht physikalische Grundlagen der Musik, Sonologie und Computermusik (gemeinsam mit Klarenz Barlow, Claude Vivier und Alan Cartwright). Der erste Kontakt mit den USA führte zu Auswanderungsplänen. 1973 begann er eine Serie von Interviews mit US-amerikanischen Komponisten, die als Desert Plants 1976 veröffentlicht wurden. Besonders wichtig wurde der Kontakt mit der Person und Musik Morton Feldmans. Ein Projekt musikalischer Feldforschung, das gemeinsam mit Barlow und Kevin Volans entwickelt wurde, führte zu dem Zyklus Lokale Musik, der Zimmermann als Komponist international etablierte. Im von ihm 1977 gegründeten “Beginner-Studio” in Köln stellte er viele experimentelle Komponisten erstmals in der Bundesrepublik Deutschland vor. Einflußreich wurde für ihn 1987 ein Studienaufenthalt in der Villa Massimo in Rom. Heute lebt Zimmermann in Frankfurt/Main.


aus: «Komponisten der Gegenwart - KDG» hrsg. vom Hanns-Werner Heister und Walter Wolfgang Sparrer. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages edition text + kritik

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