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ADORNOS FURCHT VOR DER BANALITÄT

oder: Vom Schönen und Wahren

Über der Frankfurter Alten Oper steht zu lesen: «Dem Schönen, Wahren und Guten». Für die Komponisten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde es geradezu zu einer existenziellen Frage, was diese aus der griechischen Philosophie gewachsene Kausalitätskette nach Auschwitz noch zu bewirken vermag. An Stelle einer dialektischen Aufhebung schien es nötig, den Schönheitsbegriff gegen den der Wahrheit einzutauschen. Verdächtig machte sich jedes Werk, das «gefiel», vermutete man doch dahinter Opportunismus und Anbiederung. Hinter diesem Skeptizismus stand freilich eine Gesellschaft, die den Begriff «Schönheit» verniedlichte und bis zu einem Punkt veroberflächlichte, an dem nur noch die schiere Oberfläche als «schön» deklariert, die Differenz zwischen Kitsch und Kunst aufgehoben wurde.

Die Sendung geht der Frage nach, ob tatsächlich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden musste, ob die Polarisierung von «Schönheit» und «Wahrheit» wirklich Sinn machte, denn schließlich «hat das Ungeheuer viele ästhetische Seiten». Der bürgerliche Schönheitsbegriff wird hinterfragt, neue Begriffe werden gesucht und sogar der U-Musik wird «Wahrheit» zugestanden, denn diese «lügt», so Helmut Lachenmann, «wenigstens ehrlich».