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KOMPONISTEN ALLER LÄNDER VEREINIGT EUCH!

oder: Ich drücke mich aus, also bin ich

Die serielle Kompositionsmethode I

Die serielle Kompositionsmethode hat in Europa in den endvierziger Jahren als erstes kompositorisches Prinzip nach dem tonikalen Tonsatz (noch vor den Zufallsprinzipien, die die europäische Musik seit den 1950er Jahren ein weiteres Mal umstülpten) und als einzig wirklich zusammenhängende Theorie, die von Komponisten im 20. Jahrhundert hervorgebracht wurde, die Musik zu vollkommen neuen Ufern aufbrechen lassen.

In dieser ersten Sendung zum seriellen musikalischen Denken gehen die Gesprächsteilnehmer den Fragen nach, ob das serielle Kompositionsprinzip (wie häufig behauptet) die europäische Musik in eine Sackgasse geführt hat, ob sich daraus eine entindividualisierte Musik der Ausdruckslosigkeit entwickelt hat und ob mit ihm auch der Versuch gestartet wurde, nationale Identitäten zu zerstören. Wollte man mit der seriellen Methode gar eine musikalische Weltsprache etablieren, gewissermaßen ein Esperanto der Neuen Musik? Und wie war das Verhältnis zwischen seriellem Denken und seriellem Arbeiten? Handelte es sich lediglich um ein Handwerkszeug oder doch um eine grundlegende gesellschaftliche Utopie? Die zentrale Frage der Gesprächsrunde war, ob mit Hilfe dieses Strukturprinzips der Traum von einem universalen Sieg der Vernunft im völlig rational konstruierten integralen Kunstwerk geträumt oder doch nur die «Krümel gezählt» wurden.