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«WEGEN SCHLECHTEN WETTERS FAND DIE REVOLUTION IN DER MUSIK STATT»

oder: Vom blinden Glauben an den Fortschritt

«Sind Sie heute schon fortschrittlich gewesen?» Diese Frage wird zwar kein Komponist je seinen Kollegen direkt gestellt haben, doch erlebte der Begriff «Fortschritt» in den Zirkeln der Neuen Musik nach 1950 eine Blütezeit. Derart schnell schienen sich die Neuerungen abzulösen, dass der Komponist Wolfgang Fortner fürchtete, bald werde am Himmel nur noch der Kondensstreifen des Fortschritts zu sehen sein. Mehr als fünfzig Jahre später diskutieren 23 Komponisten verschiedener Generationen in einer virtuellen Gesprächsrunde über den Fortschritt in der Musik. Wie war das damals, war man wirklich überzeugt, dem Fortschritt auf der Spur zu sein? Wie sieht man das heute aus einiger Distanz? Gibt es überhaupt «Fortschritt» in der Musik? Und woran ließe sich dieser ausmachen?

So unterschiedliche Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, Helmut Lachenmann oder Wolfgang Rihm sprechen über (ihre) Musik und den Fortschritt. Der eine preist ihn als notwendige und große Herausforderung, während der andere den Glauben an ihn wütend verdammt. Unberührt lässt die Frage nach dem Fortschritt keinen der Komponisten. Begeisterung, Ablehnung, Skepsis oder verhaltene Zustimmung – das Spektrum der Reaktionen ist groß. Durch die Erinnerungen und Äußerungen der Komponisten entsteht nicht nur ein Kaleidoskop von Musik- und Kompositionsvorstellungen, sondern auch ein Bild der Veränderungen in der Neuen Musik seit den 1950er Jahren bis heute.