Erlebte Geschichte - Home

ZENTRUM DER MODERNE?

Die zwölf Töne

Der Beginn des 20. Jahrhunderts war die große Zeit des materialtechnischen Aufbruchs. Denken wir an die Integration des Geräuschs in die Musik durch Edgard Varèse, die mikrotonalen Entwürfe eines Julián Carrillo oder Ivan Wyschnegradsky, die frühen Formen der Concept Art eines Erik Satie oder an dessen Entwürfe, die heutigen Klanginstallationen ähnlich sind; denken wir aber auch an Alexander Skrjabins frühe Multimediaprojekte. Vor unserem inneren Auge steht mithin ein ganzes Konvolut interessanter, in die Zukunft weisender Ideen jener Zeit.

Vor diesem Hintergrund überrascht es schon, dass es nahezu ausschließlich die zwölftönige Kompositionsmethode war, die bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein das europäische Musikdenken dominierte. Heute, mit einem gewissen historischen Abstand zurückblickend, wissen wir jedoch, dass nicht die Einteilung der Oktave in zwölf Halbtöne und die Gleichsetzung von Konsonanz und Dissonanz das materialtechnische Fernziel am Horizont war, das die Komponisten antrieb, sondern das Kontinuum der Klänge, das auch das Geräusch mit einschließt. Unsere virtuelle Gesprächsrunde mit Louis Andriessen, Konrad Boehmer, Pierre Boulez, Brian Ferneyhough, Friedrich Goldmann, Cristóbal Halffter, Klaus Huber, Mauricio Kagel, Georg Katzer, Wilhelm Killmayer, Helmut Lachenmann, Younghi Pagh-Paan, Henri Pousseur, Wolfgang Rihm, Dieter Schnebel, Mathias Spahlinger, Karlheinz Stockhausen, Hans Zender und Walter Zimmermann wird sich in dieser Sendung mit der historischen Dominanz des zwölftönigen Kompositionssystems auseinander setzen.